Grenoble (Frankreich) - Anja Perlich

Anja Perlich – Grenoble - Mit ERASMUS nach Frankreich

 

Ein Interesse an unserem für das Baguette berühmte Nachbarland bestand bei mir schon seit Schulzeiten, sodass mit Beginn des Studiums für mich feststand, einige Zeit im Ausland zu studieren.

Mir war bewusst, dass die Studienzeit die beste Zeit im Leben ist, um unkompliziert im Ausland zu leben, also habe ich mich nach dem ersten Studienjahr Computervisualistik im Akademischen Auslandsamt bei Frau Willms erkundigt, welche Möglichkeiten es in Bezug auf das ERASMUS-Programm für mich gibt. Sie hat mir vorgeschlagen, dass ich mich beim "Institut National Polytechnique Grenoble" (INPG) bewerben könnte. Grenoble ist mit fünf Universitäten eine vielfältige Studentenstadt, die auch mit ihrer Lage in den Alpen glänzen kann. Ende 2007 stand für mich fest, dass ich für mein Auslandsjahr ab September 2008 nach Grenoble gehen wollte.

Nach einer schriftlichen Bewerbung und Zusage beim Akademischen Auslandsamt unserer Uni wurden meine Unterlagen nach Grenoble weitergeleitet. Im Juni bekam ich dann auch eine Zusage aus Frankreich.

Meine Ankunft in Grenoble hatte ich für den 23. August 2008 geplant, um noch vor Semesterbeginn im September an einem für Austauschstudenten angebotenen Sprachkurs teilzunehmen. Trotz der guten Vorbereitung blieb ein flaues Gefühl der Ungewissheit, worauf ich mich eigentlich eingelassen hatte...

Nach einer 22-stündigen Busfahrt wurde ich in Grenoble empfangen. Während der Einführungswoche hatten wir vormittags Französisch-Unterricht; natürlich mit Muttersprachlern. Die Klassen waren bunt gemischt: von Spaniern und Italienern bis zu Mexikanern und Singapurern. Dafür, dass auch nach den Unterrichtsstunden keine Langeweile aufkam, sorgte das "Bureau International". Diese Gruppe von Studierenden ist eine Vereinigung, die den Austauschschülern das Leben vereinfachen und mit gelungenen Veranstaltungen wie Grillen, Billardabenden und Kanutouren versüßen soll.

Die Universität INP Grenoble ist eine "Grande Ecole" und genießt im Gegensatz zu den eigentlichen Universitäten einen hohen, beinahe elitären Status. Um an einer "Grande Ecole" studieren zu können, muss man nach dem Abitur noch zwei weitere – harte - Jahre die Schule besuchen, in Form der "Classe Préparatoire". Die "Grande Ecole" INP Grenoble unterteilt sich in mehrere Fakultäten. Ich studierte an der ENSIMAG ("Ecole Nationale Supérieure d'Informatique et de Mathématiques Appliquées Grenoble"). Ein "Grande Ecole"-Studium umfasst drei Jahre und wird mit dem Erhalt des Ingenieurdiploms beendet.

Als im September die Lehrveranstaltungen begannen, ging auch die dort gut bekannte, alljährliche Einführungseuphorie los. Es standen viele Partys und auch ein Integrationswochenende an der Côte d'Azur auf dem Programm.

Der Veranstaltungsreichtum und die Begeisterung zum Organisieren rissen während des gesamten Jahres nicht ab. Beeindruckt haben mich die unzähligen Klubs - von Fotografie über Schach und Computergames bis hin zu Theater war alles dabei.

Neben den vielen Freizeittätigkeiten wurde natürlich auch fleißig studiert. Meine zum CV-Studium passenden Kurse waren nach Meinung meiner französischen Kommilitonen recht wild durcheinander gewählt, da ich Kurse aus allen drei Jahren besuchte. Die Lehrveranstaltungen wurden fast ausnahmslos auf Französisch gehalten. Anfangs war es hart, im Unterricht mitzukommen. Es dauerte aber nicht lange und ich hatte mich auch daran gewöhnt. Der Unterricht und die Studienqualität sind recht anspruchsvoll gewesen. Auch wenn ich nicht so viele Kurse gewählt habe wie die Franzosen, hatte ich immer viel zu tun. Zu dem teilweise recht großen Stress in der Uni habe ich auch in meiner lustigen und anregenden WG Ausgleich gefunden.

Nachteilig sind die hohen Lebenshaltungskosten in Grenoble. Von der Uni Magdeburg gab es eine monatliche ERASMUS-Unterstützung von 120€. Auf Antrag in Grenoble bekam ich als ausländische Studentin Wohngeld; dies belief sich für mich auf 87€ im Monat. Es ist offensichtlich, dass dies nicht zum Überleben reicht und man auf Geld aus der eigenen Tasche angewiesen ist.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mein Jahr in Grenoble sehr intensiv war, nicht nur bezogen auf das Studieren, sondern vor allem in Hinblick auf die gesammelten Erfahrungen, die Erlebnisse und Bekanntschaften. In diesem Sinne kann ich nur die französische Sängerin Edith Piaf zitieren: Je ne regrette rien.